Alleinerziehende stehen im Alltag oft unter besonderem Druck – zeitlich, finanziell und emotional. Betroffen sind vor allem Frauen. Wie groß die Belastung ist und wo die größten Probleme liegen, hat die Arbeiterkammer Niederösterreich (AKNÖ) nun in einer Studie untersucht.
Zeitdruck, finanzielle Sorgen und Diskriminierung im Beruf und Alltag – das sind laut der Studie der AKNÖ zentrale Belastungen für Alleinerziehende. Das Ergebnis sei alarmierend: 90 Prozent der befragten Allein- und Getrennterziehenden fühlen sich häufig bis sehr häufig belastet. Neben Zeitdruck spielt vor allem die Überforderung eine Rolle, alltägliche Aufgaben allein bewältigen zu müssen. Dazu kommen finanzielle Sorgen.
„Wer wirklich will, dass Frauen einem Stundenausmaß nachgehen, das ein armutsfestes Einkommen sichert, muss eine kostenlose, vollzeittaugliche Kinderbildung und -betreuung garantieren“, fordert Birgit Schön, Leiterin der Abteilung Frauenpolitik bei der AKNÖ. Ein Viertel der Befragten würde gern mehr arbeiten. Wegen der zusätzlichen Kosten für die Kinderbetreuung würde davon finanziell jedoch wenig bis nichts übrig bleiben.
Rund ein Fünftel der Befragten verdient monatlich weniger als 1.500 Euro, nur sieben Prozent mehr als 3.500 Euro. „Einerseits gibt es da Belastungen, dann aber auch die fehlende Möglichkeit, sich zu erholen. Weil es eben niemanden gibt, wo man sich mal ausschlafen kann. Auch finanziell ist es schwieriger, sich Urlaube leisten zu können oder Freizeitangebote“, so Regina Gottwald von der Abteilung Frauenpolitik der AK.
Diskriminierung im Beruf als „strukturelles“ Problem
Die Umfrage zeige zudem strukturelle Probleme auf: Viele Befragte berichten von Diskriminierung aufgrund ihres Familienstatus – etwa bei Bewerbungsgesprächen, beim beruflichen Aufstieg oder durch abfällige Kommentare von Kolleginnen und Kollegen sowie Vorgesetzten. AKNÖ-Vizepräsidentin Angela Fischer fordert „die volle gesellschaftliche Gleichwertigkeit aller Familienformen ohne jegliche Benachteiligungen im Job.“
Generell fordert die Arbeiterkammer ein umfassendes Maßnahmenpaket. Dazu zählt neben der Einführung einer Kindergrundsicherung und einer „existenzsichernden Unterhaltsgarantie“ auch der Ausbau kostenloser Betreuungsangebote für Kinder.
