Gaal ist seit 2018 Stadträtin und seitdem für die Themen Wohnen und Frauen zuständig. Seit 2020 ist sie zudem Vizebürgermeisterin. Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) präsentierte am Montag die Rochade. Gaal habe ihm mitgeteilt, dass sie nicht für den Rest ihrer Karriere in der aktiven Politik tätig sein wolle.
Es sei keine leichte Entscheidung, aber der richtige Zeitpunkt gewesen, sagte Gaal. In den letzten acht Jahren habe sie viel erreicht, sagte sie und sprach „Meilensteine“ wie die Errichtung des fünften Frauenhauses und die Einführung der Widmungskategorie „Geförderter Wohnbau“ an. Ihren Rückzug begründete sie damit, außerhalb der Politik arbeiten zu wollen. Näheres zu ihren Zukunftsplänen wollte sie bei der Pressekonferenz aber noch nicht bekanntgeben.
Ihre Nachfolgerin für die Fachbereiche Wohnen und Frauen wird mit Hanel-Torsch eine Juristin, die seit 20 Jahren in der Mietervereinigung Wien tätig ist. Seit zehn Jahren ist sie deren Vorsitzende. 2024 zog sie für die SPÖ in den Nationalrat ein, nachdem sie davor Bezirksrätin in Margareten war.
Novak wird Vizebürgermeisterin
Gaal bleibt bis Ende März Stadträtin und Vizebürgermeisterin. Als Vizebürgermeisterin folgt Finanzstadträtin Barbara Novak (SPÖ). „Novak hat große Aufgaben in der Budgetverantwortung“, betonte Ludwig. Das Vizebürgermeisterinnen-Amt würde ihr bei diesen Aufgaben zusätzliches politisches Gewicht geben. Novak ist seit Beginn der jüngsten Regierungsperiode 2025 Stadträtin und derzeit vor allem mit der Stabilisierung des Wiener Budgets beschäftigt.
Die Personalrochaden wurden einstimmig in den Wiener Gremien beschlossen. Mit den Nachbesetzungen sollte das Gleichgewicht zwischen Männern und Frauen in der Stadtregierung aufrechterhalten werden, erklärte Ludwig. In weiterer Folge wird zudem der derzeitige SPÖ-Bundesrat Christoph Matznetter als Hanel-Torschs Nachfolger in den Nationalrat wechseln.
Ihm wird wiederum der Klubvorsitzende der SPÖ Hernals, Wolfgang Markytan, in den Bundesrat nachfolgen. Die Personalentscheidungen habe er schnell treffen wollen, sagte Ludwig, schließlich sei er es leid, abseits von Wien „ständig über personelle Situationen gefragt zu werden“. Die Bundes-SPÖ war vor Kurzem an einem Duell zwischen Vizekanzler Andreas Babler und Altkanzler Christian Kern um den Parteivorsitz vorbeigeschrammt.
Lob für Frauenpolitik
Die Wiener FPÖ sprach in einer Reaktion auf die Personalrochade von „rotem Postenchaos“. FPÖ-Landesparteiobmann Dominik Nepp kritisierte die designierte Wohnbaustadträtin. „Hanel-Torsch hat sich als Chefin der Wiener Mietervereinigung nie für die Interessen der Mieter eingesetzt, sondern immer treu der SPÖ als Parteigenossin gedient.“
Die Grünen-Vorsitzenden Judith Pühringer und Peter Kraus dankten Gaal für die gute Zusammenarbeit: „Sie war immer eine glaubwürdige Kämpferin für Frauenrechte, Gleichstellung und Gewaltschutz und hatte stets ein offenes Ohr für gute Vorschläge.“ Von Hanel-Torsch erwarten die beiden, „dass der Wohnungsmangel in Wien konsequent angegangen wird“.
Die Wiener ÖVP wünschte Gaal „für ihren weiteren Weg alles Gute“. „Frauenpolitisch hinterlässt Kathrin Gaal durchaus große Fußstapfen. In diesen Fragen hatte sie stets ein offenes Ohr – auch für Anliegen aus der Opposition“, sagte Frauensprecherin Sabine Keri. Auch die ÖVP sieht jedoch im Wohnbaubereich zahlreiche offene Baustellen.
NEOS: Lob für Handschlagqualität
Der Koalitionspartner NEOS zollte Gaal Respekt. „Mit Kathrin Gaal verlässt eine Politikerin mit viel Herz die Wiener Stadtpolitik. Unsere Zusammenarbeit war immer von aufrichtiger Wertschätzung, Offenheit und großer Verlässlichkeit geprägt“, sagte Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (NEOS) in einer Aussendung, in der sie auch Gaals Handschlagqualität lobte.
